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Sonntag, 22. Mai 2016

QUILT live im King Georg (Cologne 20.05.2016)

Location: King Georg
Date: 20.05.2016

 

Vor wenigen Wochen hatte ich das Glück, erstmalig die USA zu bereisen. Eigentlich hatte ich mir natürlich auch vorgenommen, mindestens ein Konzertchen zu erleben, aber wie es der Teufel will, waren alle interessanten Konzerte zum Zeitpunkt meines Aufenthaltes in New York und Boston aus den unterschiedlichsten Gründen nicht machbar.


Umso mehr freute es mich, dass ich nun einer der besten Bands aus Boston in einer meiner Lieblingslocation in Köln sehen konnte.

QUILT gründete sich 2008 in Boston, bezeichnet sich selbst aber als New Yorker Band, deren vier Mitglieder in Brooklyn, Upstate New York und New Hampshire leben.

Aushängeschild des Quartetts ist Sängerin und Gitarristin Anna Fox Rochinski. Ihr zur Seite stehen am Bass Keven Lareau, an der Gitarre Shane Butler und John Andrews am Schlagzeug. Die Bandgründer Rochinski und Butler lernten sich am College in Boston kennen, starteten als Duo, holten einen Drummer dazu, der die Band aber bereits 2011 nach dem in Cambridge aufgenommenen Debütalbum "Quilt" wieder verließ und durch John Andrews ersetzt wurde.

Das zweite Album "Held in Splendor" nahm die Band 2014 in Brooklyn auf. Da sich das musikalische Spektrum nicht mehr auf FolkRock beschränkte, sondern deutlich um Elemente aus Psychdelic und DreamPop erweiterte, benötigte man für die Liveumsetzung des Albums mehr Hände, weswegen man mit Keven Lareau am Bass ein weiteres Bandmitglied aufnahm.

Anfang 2015 ging die Band dann erneut ins Studio und arbeitete am dritten Album "Plaza", welches im Februar dieses Jahres erschien. Nun tourt die Band durch Europa und macht Halt in der schönsten Stadt am Rhein.

Das King Georg ist gut gefüllt und auf der winzigen Bühne steht neben dem zu erwartenden Equipment auch ein Keyboard, weswegen damit zu rechnen ist, dass die Band  für die Liveumsetzung von "Plaza" einen weiteren Musiker mitgebracht hat.

Als es irgendwann nach 21 Uhr losgeht, betritt neben den bekannten Bandmitgliedern tatsächlich auch eine Keyboarderin die Bühne. Wer das King Georg kennt, weiß, dass bei fünf Mann auf der Bühne der Raum verdammt eng wird. So muss sich Bassist Keven Lareau sein Plätzchen am Rande der Kuschelsitzgruppen suchen.

Der Hingucker ist natürlich Anna Fox Rochinski, die in einer kleinen schwarzen Kombination mit schickem übergeworfenem Kurzkimono und quietschroter Gitarre alle Augen auf sich lenkt. Los geht es mit dem verträumten "Passerby" vom aktuellen Album. Anna hält beim Singen oftmals die Augen geschlossen und scheint sich ganz in der Musik zu verlieren. Die Band ist hervorragend aufeinander eingespielt und der Sound im kleinen Kölner Club erstaunlich gut.



Aber leider will nicht nur bei mir, sondern auch bei den meisten meiner heute zahlreichen Konzertbegleiter der Funke nicht so recht überspringen. Ich fürchte es liegt daran, dass das neue Album "Plaza" im Gegensatz zum Vorgänger-Album "Held in Splendor" vom Songwriting eher schwächer zu bewerten ist. "Plaza" setzt mehr auf jamartige Songs, was ja eigentlich live eine Bank sein sollte, aber dafür spielt die Band zu sehr mit angezogener Handbremse.

Stellenweise erinnert der "neue" Sound an den Drone-Sound des Moon Duo und wenn Quilt dann etwas lauter wird und loslässt, passt es auch, aber diese Momente sind leider zu selten. Wenn schon psychedelische Jams, dann bitte etwas schmutziger, etwas rauer, gerne etwas ausschweifender und brachialer. Speziell das Schlagzeug dürfte man etwas variabler gestalten, zeitweilig erinnert mich das stoische Schlagzeugspiel von Drummer John Andrews tatsächlich an den kürzlich verstorbenen Peter Behrens von Trio.

So sind für mich an diesem Abend dann doch eher die wenigen Songs vom 2014er Album, wie das wundervoll schwerelos schwingende "Tie up the Tides", die Highlights.

Ach und verblüffend an diesem Abend fand ich, dass ich bei einigen Songs von "Plaza" fest der Überzeugung war, dass Anna singt, ich aber feststellen durfte, dass Gitarrist Shane Butler die Vocals mit ähnlich weicher Stimme hauchen kann und dass, wenn ich mich nicht auf die Bühne konzentrierte, sondern die Augen schloss, ein kleiner Funke doch übersprang.

Kein ganz rundes Konzert, aber trotzdem ein schöner Abend mit Musik, die ausnahmsweise aus der Dose besser kommt als live.



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